»We're the next big thing« - So war das Reeperbahn Festival 2026

Mittwoch, 16.09.
Abir Hamam hat die Präsenz eines Stars, irgendwo zwischen Gwen Stefani und Ariana Grande. Sie klingt auch wie einer. Ihre klare, kräftige Stimme steht sicher im Zentrum der Songs ihrer Band. Die trägt den etwas ungewöhnlichen Namen Hiqpy. Hamam wird ihn nach der Begrüßung später noch mal erwähnen. Sicher ist sicher. Die vierköpfige Band aus den Niederlanden hat sich einem elegischen, hymnischen Alternative-Rock mit Shoegaze-Grundierung verschrieben. Mit dem fluten sie am Mittwochabend den oberen Saal des Molotow. Ein bisschen wie Slowdive mit mehr Schmackes. Der Gitarrist links neben Hamam ist in voller Y2K-Rockstar-Montur, der Bassist zu ihrer Linken kämpft direkt beim ersten Song mit Sound-Problemen. Die sind schnell behoben. Der Rest wird zur souveränen Performance. (JS)
Noch sind Müde nicht offizieller Teil des Reeperbahn Festivals, spannende Newcomer aber auf jeden Fall. Daher dürfen sie auch beim Empfang von der Booking-Agentur Kante (ehemals IBB) spielen, die die Punkband mit der offensichtlichen Liebe zu Basement und Title Fight nach ihrer Tour mit Focus unter Vertrag genommen hat. Vor kleinem Publikum gibt es daher nur eine Handvoll Songs für die eigene Blase. Müde liefern die aber wie immer mit Herzblut und Spielfreude ab. Neu ist eigentlich nur Tom auf der dauerrotierenden Position des Bassisten. Spannend wird zu sehen, wie es auf an einem Major angeschlossenen Label und Booking für die über NRW verteilte Band aus dem DIY-Kosmos von hier aus weitergeht. (JSS)
Als “most geschmackvoll” bezeichnet Laurie Vincent den ersten Auftritt außerhalb des UK seiner Band Big Truck am Ende. Die ersten Auftritte spielte der Soft Play-Gitarrist dabei erst vor rund anderthalb Jahren, heute hat er im Kaiserkeller auch schon das erst kürzlich erschienene Debütalbum “Midday At The Middleway” mit dabei. Darauf lässt er Indie, Power-Pop, Spoken-Word-Post-Punk, Heartland-Rock in deutlich wärmeren Farben erstrahlen als mit seiner Hauptband. Auch die Rolle als Frontmann gefällt dem 32-Jährigen offenbar bestens. Er stürzt sich mit dem Rücken ins Publikum oder steht inmitten der Crowd und reicht mit breitem Grinsen das Mikro herum. Sollten nicht wieder die nächste Reinkarnation seines Punk-Duos oder sonstige Ambitionen des tätowierenden Familienvaters dazwischenkommen, dürfen Big Truck ihren breiten Stilmix auch auf einer richtigen Tour präsentieren. Argumente gibt es dafür in Hamburg auf beiden Seiten genug. (JSS)
Der Hype um Bleech 9:3 ist real. Das Molotow ist vollgestopft mit Eingeweihten, die die Newcomer aus Irland bereits kennen. Die sind Vorreiter eines Trends. Waren in den vergangenen Jahren Shoegaze und irgendwas mit Post-Punk das Ding, bringen – unter anderem – Bleech 9:3 den Grunge zurück. Oder auch Post-Grunge, denn sie klingen eher nach Mitte als Anfang der 90er. Aber: Erstmal kommen sie eine Viertelstunde zu spät auf die Bühne. Anstatt sich zu entschuldigen, gockelt Sänger und Gitarrist Barry “Baz” Quinlan mackerhaft rum und rotzt noch vor dem ersten Song auf die Bühne. Sympathisch geht anders. Gitarrist und Songwriter Sam Duffy zündet sich zum zweiten Song erstmal eine Kippe an, gibt auch optisch den Punk und hält seine Gitarre wie ein Maschinengewehr. Am besten sind Bleech 9:3 immer dann, wenn sie sich aus dem melancholischen Grunge-Sludge befreien. Das gelingt besonders gut bei der finalen Debüt-Single “Ceiling”. Zu dem Zeitpunkt sind die Anwesenden längst Feuer und Flamme, springen im Pit, singen mit – und selbst Quinlan bedankt sich für die Geduld. (JS)
Donnerstag, 17.09.
“It’s the second song and I am already bleeding”, sagt Julianna Riolino und betrachtet ihre Finger. Auf ihren Merch-Shirts steht: “You don’t have to be Italian to listen to Julianna Riolino”, weshalb sie hier und heute im Uwe spielt, traditionell das “Canada House” auf dem RBF. Riolino ist vor einigen Jahren als Teil von Daniel Romano’s Outfit in Erscheinung getreten. 2019 kommt die erste EP unter ihrem Namen, ab 2022 emanzipiert sie sich vollständig. Ihr Sound: mal Americana, mal Singer/Songwriter im Band-Gewand, mal powerpoppiger Indie. Eher dezent als aufdringlich. Damit sich trotzdem alle hier ihren schönen Namen einprägen, macht Riolino ein Call-and-Response-Ding daraus und klärt mit sarkastischem Unterton: “We’re the next big thing.” Überhaupt beherrscht sie die Kunst der direkten, unterhaltsamen Ansprache – und wechselt von einem Satz schon mal direkt in den nächsten Song. Was nur funktioniert, weil ihre zwei Kollegen so gut eingespielt sind: Peter Landi ist auf Riolinos aktueller Platte “Echo In The Dust” zu hören und war in der Vorwoche noch mit Weird Nightmare unterwegs durch Deutschland. Bassist Ross Miller kennt seine Chefin schon seit Schulzeiten – und stand mit The Dirty Nil schon mal auf exakt dieser Bühne. Dann ist ihre Zeit vorbei. Aber nicht mit Riolino. Sie hat noch “It’s A Shakedown” in petto – ein Song, der von Americana zu Punk wechselt. Das hier ist Entertainment, wie man es so ausgebufft nur von einer italienischstämmigen Kanadierin erwarten darf. (JS)
Kann man bei Anda Morts schon von einem Hype in der Deutschpunk-Bubble sprechen? Angesichts der Größe der Festivalauftritte und Headline-Touren geht es zumindest in die Richtung. Von den Streamingzahlen sowieso. Daher darf Andreas Schneider mit seiner Band wohl im Docks auftreten. Das ist ganz passabel gefüllt dafür, dass Anda Morts mit ihrem Quarter-Life-Crisis-Punk übers Rauchen, Sinnsuche und verschwendete Zeit live nach wunderbarem Gebolze fürs AJZ klingen, während sie auf Platte zumindest fürs Studentenwohnheim Massentauglichkeit vortäuschen. Vorne sorgt das auf jeden Fall für etwas Action. Im Molotow etwa wären Anda Morts noch besser aufgehoben. Die rohe Punk-Show verpufft etwas in der Größe des Docks, wenn Ästhetik und Sound der Linzer nicht bis in der letzten Reihe beim steifen Showcase-Publikum gefühlt werden. (JSS)
Etwas aus der Mode gekommen ist der Sound, den Hetta spielen. Ende der 90er und Anfang der 00er Jahre waren The Dillinger Escape Plan, The Blood Brothers, JR Ewing oder The Fall Of Troy die aufregendsten Chaos-Bands der Welt. Das ist lange her, vielleicht gar etwas in Vergessenheit geraten. Aber nicht mit Hetta. Im November 2025 hat die Band aus dem portugiesischen Montijo ihr Debütalbum veröffentlicht. Mit dem legt sie bei ihrem ersten Hamburg-Auftritt nun das Untergeschoss in Schutt und Asche. Melodie kollidiert mit Dissonanz, irres Tempo mit wilden Breaks. Alex Domingos erinnert dabei an den schrillen Johnny Whitney von den Blood Brothers, gestikuliert ausschweifend und wagt sich ins Publikum. Blickfang ist aber vor allem João Portalegre, der wahrscheinlich am härtesten ackernde Musiker des Festivals. Er verprügelt so schnell und kräftig sein Set, dass man sich ernsthaft Sorgen machen muss, dass er gleich explodiert. (JS)
90s Alternative und Grunge sind zurück: Neben Bleech 9:3 belegen das auch Keo – was sich aus dem Nachnamen Keogh von Sänger und Gitarrist Finn und seinem Bass spielenden, älteren Bruder Conor ableitet. Tags zuvor haben sie auf dem Reeperbus gespielt, heute steht die Clubshow im Molotow an. Schon beim zweiten Song liegt Finn am Boden. Denn mag der grungy 90s-Rock auch melancholisch sein: Keo bringen ihn mit Leidenschaft rüber. Und sehr kompetent. Das Publikum dankt es mit euphorischen Reaktionen und einer gewissen Textsicherheit – obwohl das Debütalbum “Put A Smile On For Me” zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal veröffentlicht ist. Aber ein Song wie das knackige “That’s Me” ist natürlich längst draußen und millionenfach gestreamt. (JS)
Im Schmidtchen Theater finden tagsüber Panels statt. Dort wo sonst Menschen im Halbkreis über Keychange und Nachhaltigkeit, Streaming und KI reden, hat sich eine zusammengetrommelte Band ebenfalls in einem Halbkreis angeordnet. Es ist der Showcase des 1965 in München gegründeten Labels Sonoton, bei dem Psych-Experimentalist Sonic Boom alias Pete Kember (Spacemen 3) als Headliner auf dem Programm steht. Er hat mit Multiinstrumentalist und Komponist Daniel O’Sullivan die Platte “Library Musick” über besagtes Label veröffentlicht. Darauf spielt Kember Synthesizer und O’Sullivan alles andere. Heute helfen aber noch eine Bassistin, ein Gitarrist und jemand anderes am Synthesizer mit, sodass sich Kember auf seine Ansammlung an Effektpads konzentrieren kann, die vor ihm auf einem kleinen Tisch stehen. Kember trinkt einen Schluck Rhabarber-Schorle und zieht noch mal an der E-Zigarette, dann geht sie los, die Reise durch herrlich spacige Ambient-Landschaften, meist angetrieben von einem tanzbaren Kraut-Groove. Leider ist das Auditorium nur spärlich gefüllt – und das bei einer derartigen Legende! (JS)
2025 bewiesen Big Special auf dem Reeperbahn Festival in der Grossen Freiheit, warum das Duo auch ohne Band auf die große Bühne gehört. Ihre Tourbuddys Gans, die ebenfalls aus dem Black Country stammen, machen es ihnen dieses Jahr nach. Wobei ihr pumpender Bastard aus Industrial, Techno und funky Post-Punk mit dem typischen Sprechgesang definitiv in die Clubs gehört. So auch zur späten Stunde im Molotow. Schlagzeuger und Sänger Euan Woodman und Thomas Rhodes (Bass, Synths, Gesang) lassen allerdings im Gegensatz zum kompletten Gossen-Mega-Rave beim Eurosonic Anfang des Jahres die Shirts an, Tommy Lawther dreht als neues drittes Mitglied dafür am Saxofon frei. Wollte man das Spektakel beschreiben, kommt es wohl New Order auf Crack am nächsten. Nach dem Debüt von 2025 über Peter Dohertys Underdog-Label Straps Originals gab es auch schon neue Songs zu hören. Ähnlich ihren Kollegen Big Special werden Gans damit ziemlich sicher noch groß. (JSS)
Freitag, 18.09.
Ein Newcomer ist Cory Hanson nicht gerade. Er ist Teil von Wand, hat mit den Meatbodies, Ty Segall, Together Pangea, Bill Callahan und Bonnie ‘Prince’ Billy gespielt. Sein viertes Soloalbum “I Love People” ist jetzt auch schon 14 Monate alt. Aber: Hanson ist noch kein von der ganzen Welt – oder wenigstens dem ganze RBF – gefeierter Superstar. Dabei hätte er diesen Status verdient. Das macht Hanson mit seiner nicht aus der Ruhe zu bringenden Rhythmusgruppe im Molotow ab dem ersten Ton klar. Der Anfang ist triumphal. Ein Husarenritt auf Gitarre, Bass, Schlagzeug. Es wird nicht der letzte bleiben. Die unaufgeregten Songs zwischen Americana und Indie geraten da manchmal etwa ins Hintertreffen, wenn Hanson sich zwischen oder in den Songs austobt. Plötzlich gibt es furiosen Prog-Rock – Hanson, im gut sitzenden Boss-Anzug, auf einem Bein hinter seinem Keyboard balancierend und hinter dem Kopf solierend. Oder mit Gitarre auf der Bar gegenüber der Bühne. Oder auf dem Boden kniend. Nie einen Ton daneben. Ein Konzert wie eine Zirkusshow. Vielleicht etwas viel Akrobatik in diesem endlosen Reigen an What-the-fuck!-Momenten. Aber auch unendlich unterhaltsam. Allein die Chuzpe zu haben, sich ans Keyboard zu setzen und mit der Ansage “How about we do something stupid?” einfach mal “Bohemian Rhapsody” anzustimmen – und von den Tasten nahtlos in ein gnadenlos exerziertes Brian-May-Solo zu wechseln, ist geradezu unverschämt gut. Nach 60 absolut erstaunlichen Minuten verlässt Hanson nassgeschwitzt mit den Worten “Enjoy the rest of your lives” die Bühne. (JS)
Im Gegensatz zu Hanson sind Little Grandad Newcomer. Gegründet hat sich die Band erst 2025 und entstammt – natürlich – dem Brixtoner Windmill-Kosmos. Im Vergleich zu etwa Man/Woman/Chainsaw oder den berüchtigten wie aufgelösten Black Midi aus derselben Szene kommt die vierköpfige Band um die Brüder Jack und Harry Lower aber erfrischend unverschwurbelt oder überambitioniert rüber. Im wie fast immer übervollen Top Ten Club im Untergeschoss des Molotow gibt es entspannten Americana, Slacker-Rock und krachigen Indie, wie ihn einst The Strokes groß gemacht haben. Ein zukunftsfähiger Mix, bei dem auch mal eine Trompete zu Wort kommt. Am besten funktionieren natürlich die Songs mit Zug, bei denen Jack Lower seinen inneren Julian Casablancas kanalisiert – ganz ohne Autotune.(JSS)
Ausgerechnet in der Haspa, der Hamburger Sparkassenfiliale gegenüber der Davidwache, treten Schluma auf. Mit blau/weiß gestreiftem Oberhemd und Krawatte hat sich Gitarristin Pola Musenberg dem cleanen, kaufmännischen Umfeld angepasst, ihr roter Lippenstift passt zum Finish ihrer Gibson. Schluma wurden als Studienprojekt an der HAW Hamburg gegründet, Dozent Peter Tiedeken (The Robocop Kraus, One Man And His Droid, Sabotage, Station 17, Botschaft, Duchamp) ist kurzerhand selbst in die Band eingestiegen. 14 Tage vor dem Auftritt ist ihr Debütalbum “Heulen am Wasser” via Grand Hotel van Cleef erschienen – doch schon jetzt singen alle “Uni Mensa Schwerverbrecher” mit. Und den Text von “Du trägst keine Liebe in dir” kennen eh alle. Aber der Song ist ja auch schon 27 Jahre alt. Später ruft Tiedeken als Hilfestellung “Jetzt kommt der Abgehpart!” rein – und schon gibt’s den ersten Crowdsurfer. Ab Montag dann wieder Kontoeröffnungen und Überweisungsbusiness as usual. (JS)
Maria Iskariot sind in Sachen Shows zumindest keine Newcomer mehr. Im vergangenen Jahr gab es etliche Möglichkeiten, in Deutschland die flämischen Punks irgendwo live zu sehen. Auch schon vor Veröffentlichung ihres Debüts im Oktober 2025 tourt die Band quasi unaufhörlich und darf bald sogar als Support von Placebo ran. Warum genau, weiß die Band auch nicht so recht, wie sie uns zuvor im Interview verraten hat. Vermutlich liegt es daran, dass die Live-Energie von Maria Iskariot weiterhin ihresgleichen sucht – und man fragt sich immer wieder, wo sie die noch hernehmen. Alle vier Mitglieder schmeißen nach Einlassstopp im Top Ten Club alles in die Waagschale. Da ist nach wie vor Punk, um einen Riot auszulösen, Grunge, Noise, 90s-Alternative mit enormem Potenzial an Dynamik und Dramatik. Nach “Dat Vind Ik Lekker”, bei dem Helena Cazaerck mit dem Mikro durchs Publikum streift, oder “Tijm”, in dem sie sich lieber direkt daraufwirft und durch den halben Laden tragen lässt, fressen ihnen eh alle aus der Hand. Wer die Band heute tatsächlich zum ersten Mal sieht, dürfte begeistert sein. Jetzt fehlen nur noch neue Songs. (JSS)
Ebenfalls über den Newcomer-Status hinausgewachsen sind Fat Dog. Die ebenfalls aus der Londoner Windmill-Szene stammende Band veröffentlicht bald ihr zweites Album und füllt das Docks entsprechend dermaßen, dass selbst in den hinteren Reihen die Luft zum Schneiden ist. Ihr Techno-Punk mit Jazz-Spitzen gibt das allein her, aber vor allem ihre Performance. Sänger Joe Love hängt permanent über dem Wellenbrecher in der Menge, dazu ballert ein Beat vom DJ, der vom Live-Drummer – dieses Mal ohne Hundemaske – angedickt wird. Saxofon und Geige sorgen für den Rest des mehr als tanzbaren Destillats der geballten Weirdness zwischen Berghain-Rave und Gabber-Fest. (JSS)
Samstag, 19.09.
Aus allen Nähten bricht der St. Pauli Fanshop am frühen Freitagabend. Quer durch den Laden, um Trikotständer und Devotionalienregalen herum drängeln sich Menschen. Alle sind hier, um Skirt. zu sehen. Die Band ist noch recht jung, kommt aus Hamburg und hat vor exakt einem Jahr ihre Demo-EP veröffentlicht. Darauf: moderner Hardcore in konsequent kurzen Salven und mit Lena Harrison am Mikrofon. Bevor die Band endlich die winzige, ebenerdige Bühne betritt, gibt’s eine Service-Ansage vom Band, dass es aggressiv aber cute wird. Das trifft beides zu, denn die zierliche Lena Harrison ist genau das: cute. Aber sie faucht eben ganz schön fies. And dann rastet der Laden aus. Moshpit. Two-Step. Schubsen und Drängeln. Gitarrist Daniel Priess (Ex-Deez Nuts) schmeißt sich Cobain-esk beim Nirvana-Cover “Breed” ins Drum-Set. Den letzten Song muss Schlagzeuger Samuel Maurus mit demoliertem Beckenständer spielen. (JS)
Sie durften vor Tool und AC/DC ran, bevor sie ihre ersten EPs veröffentlicht haben – und ein Album ist aktuell nur in Planung. Headsend aus Byron Bay bringen reichlich Vorschusslorbeeren mit, obwohl sie alles andere als innovativ daherkommen. Grunge-Nostalgie gab es allein in Hamburg dieser Tage von Bleech 9:3 oder Keo. Keiner von ihnen gibt diese aber wohl so unprätentiös und fast frech traditionell wieder. Bei den drei Australiern geht es nämlich weniger um Looks und große Gesten, sondern um fetten Sound. Den dominiert vor allem Bassist und Pro-Surfer Kyuss King, sein Bruder Rasmus als Mini-Mick-Jagger-Lookalike kommt da mit seiner Stimme kaum gegen an. Die ist hier aber auch nicht so wichtig, um ehrlich zu sein. Durch reichlich “Bleach”-Reminiszenzen grooven sich Headsend durch ihr Set, das tatsächlich richtig fesselt und am Ende in endlose Stoner-Parts abdriftet. Den Hype verdient hat vor allem Schlagzeuger Bon Soric, der seinem großen Vorbild John Bonham alle Ehre macht. (JSS)
Seit einigen Jahren nun schon ist auch die Elbphilharmonie Teil des RBF. In diesem Jahr wird nur der Samstag bespielt, zunächst mit dem Moses Yoofee Trio, zu späterer Stunde dann mit der schwedischen Komponistin Anna von Hausswolff. Ihre von Orgeldrones untermalte Musik ist wie gemacht für den großen Saal. Nach einem Intro gibt es neun Songs von ihrem 2025 veröffentlichten Album “Iconoclasts”. Die Stücke bekommen hier allerhand Raum geboten, um sich zu entfalten. Raum nimmt sich auch ihre Band, bestehend aus fünf Musikern, die sich im Halbkreis um von Hausswolffs Orgelthron angeordnet haben. Ein zartes Glöckchen zu Beginn, Baritonsaxofon, Gitarre, Bass, viel teils tribalistisches Schlagzeug und ein zusätzlicher Synthesizer sorgen für ein Auf und Ab der Lautstärke, eine wellenförmige Musik, die sich wunderbar hier im futuristischen Korallenriffinterieur macht. Die Band und ihre Anführerin tragen aufeinander abgestimmte Overalls. Nur die Schuhe lässt von Hausswolff hinter der Bühne, um besser ihre Fußpedale bedienen zu können. Die gute Stunde Musik verschlägt in ihren Bann und verrinnt viel zu schnell. Nach der Verbeugung kommt die Sängerin noch mal zurück. Es flammt kurz die Hoffnung auf eine Zugabe auf, es gibt aber nur eine Runde Extraapplaus. Der jedoch ist verdient. (JS)
Der Beitrag <img class="visions-plus aboplus-fahne" src="https://www.visions.de/wp-content/plugins/item-plenigo/img/visions_plus.svg"> »We’re the next big thing« erschien zuerst auf VISIONS.de.



